THC-Siedepunkt 157 °C? Druck, Verdampfung und Stoffdaten
Kurzantwort: Ein Siedepunkt ist eine Stoffeigenschaft bei definiertem Druck. Eine Vaporizer-Einstellung ist eine Regelgröße eines konkreten Geräts. Beide sind nicht identisch. Die Freisetzung aus Cannabisblüten hängt zusätzlich von Zeit, Luftstrom, Material und Temperaturverteilung ab. Laborstudien prüfen deshalb die tatsächlich abgegebenen Stoffmengen und den Messaufbau. [Gieringer2004] [Lanz2016] [Carrara2020]

Die bestehende THC-Korrektur bleibt erhalten
Die häufig genannten 155–157 °C sind kein normaler THC-Siedepunkt bei Umgebungsdruck. Die bereits auf dieser Seite verwendete Arbeit von Eyal und Kollegen ordnet etwa 155 °C einem Druck von 0,05 Torr zu. Ein dort genannter Normaldruckwert von 425 °C ist extrapoliert; er ist keine Empfehlung für eine Vaporizer-Einstellung. Verdampfung ist auch unterhalb des Siedepunkts möglich.
Bestehende Zusatzliteratur außerhalb des Zwölferpools: Eyal AM et al. (2023), Vapor Pressure, Vaping, and Corrections to Misconceptions Related to Medical Cannabis‘ Active Pharmaceutical Ingredients‘ Physical Properties and Compositions, DOI 10.1089/can.2021.0173, insbesondere Tabelle 3 und Diskussion des Dampfdrucks. Diese bereits vorhandene Stoffdatenkorrektur wird beibehalten und separat ausgewiesen. Sie erweitert nicht stillschweigend den Studienpool der geplanten Videoarbeiten.
| Zahl oder Begriff | Bedeutung | Unzulässige Umdeutung |
|---|---|---|
| Etwa 155 °C bei 0,05 Torr | THC-bezogene Angabe unter Hochvakuum laut bestehender Zusatzquelle | Allgemeiner Freisetzungsschalter bei Umgebungsdruck |
| 425 °C | Extrapolierter Normaldruckwert in der Zusatzquelle | Alltagseinstellung oder Sicherheitsgrenze |
| Displaywert | Soll- oder Anzeigewert des jeweiligen Regelsystems | Temperatur jedes Punkts der Blütenfüllung |
| Gemessene Abgabe | Stoffmenge unter einem bestimmten Versuchsprotokoll | Individuelle klinische Wirkung |
Verdampfen, Sieden und Decarboxylieren
Beim Verdampfen verlassen Moleküle eine flüssige oder feste Phase und gelangen in die Gasphase. Dieser Vorgang kann unterhalb eines Siedepunkts stattfinden. Sieden beschreibt einen besonderen Zustand, der vom äußeren Druck abhängt. Schon deshalb gehört zu einem belastbaren Siedepunkt die Druckangabe.
Cannabisblüten sind außerdem kein Reinstoffgefäß. Sie enthalten eine Pflanzenmatrix und verschiedene Verbindungen. Wärme muss erst an die relevanten Stellen gelangen; freigesetzte Stoffe müssen anschließend aus dem Material und durch den Geräteweg transportiert werden.
Decarboxylierung ist dagegen eine chemische Umwandlung. Bei Cannabinoidsäuren wird dabei Kohlendioxid abgespalten. Der Nachweis einer weitgehenden Umwandlung sagt noch nicht, dass die entsprechende neutrale Verbindung vollständig am Mundstück angekommen ist. Lanz untersucht Umwandlung und Wiederfindung getrennt. [Lanz2016]
Eine Tabelle, die all diese Vorgänge in einer einzigen Spalte „Temperatur der Wirkung“ zusammenfasst, verliert die entscheidenden Unterschiede. Aus einem Stoffwert folgt weder eine bestimmte Stimmung noch eine medizinische Wirkung bei genau dieser Einstellung.
Fünf Temperaturbegriffe im Gerät
| Temperaturbegriff | Woher kommt der Wert? | Für einen Vergleich zusätzlich nötig |
|---|---|---|
| Sollwert | Eingabe in das Regelsystem | Was genau geregelt wird |
| Sensortemperatur | Messung am verbauten Fühler | Position, Kalibrierung und Reaktionszeit |
| Heizer-/Wandtemperatur | Messung an einem Bauteil | Kontakt zur Füllung und zeitlicher Verlauf |
| Lufttemperatur | Messung im Luftstrom | Messort, Durchsatz und Störung durch den Sensor |
| Materialtemperatur | Messung innerhalb oder an der Füllung | Lage, Tiefe, Beladung und räumliche Verteilung |
Die Begriffe sind keine fünf austauschbaren Namen für dieselbe Zahl. Ein Sensor kann sehr präzise seine eigene Temperatur messen und trotzdem nicht die gesamte Füllung repräsentieren. Genauigkeit an einem Messort und Repräsentativität für das Material sind unterschiedliche Eigenschaften.
Ein konkretes Beispiel aus Gieringer 2004
Gieringer und Kollegen platzierten zwei Thermoelemente oberhalb und unterhalb der Probe. Bei der untersuchten maximalen Geräteeinstellung wurden 155 °C an der oberen Probenoberfläche und 218 °C am heizernahen Sieb gemessen. Die Werte gehören zu diesem historischen Aufbau und diesen Messorten. [Gieringer2004]
Das Beispiel ist kein allgemeiner Fehlerbereich für heutige Vaporizer. Es demonstriert vielmehr, dass innerhalb eines Aufbaus verschiedene Temperaturen gleichzeitig relevant sein können. Die Differenz darf nicht als pauschale Displayabweichung aller Geräte übernommen werden.
Auch ein Mittelwert aus beiden Zahlen würde das Problem nicht lösen. Er wäre keine direkt gemessene Temperatur jedes Materialteilchens. Für eine vollständige Beschreibung wäre der räumliche und zeitliche Verlauf nötig, nicht nur eine einzige zusammengefasste Zahl.
Warum ein Zug die Bedingungen verändert
Während eines Zugs bewegt sich Luft durch den Aufbau und transportiert Wärme. Die Regelung kann darauf reagieren, aber nicht jedes System reagiert gleich schnell. Nachströmende Luft, Wärmespeicherung und Heizleistung wirken zusammen.
Zwischen den Zügen verändert sich der Zustand erneut. Heiße Wände können weiter Wärme übertragen, während andere Teile abkühlen. Eine Messung im Leerlauf kann daher ein anderes Bild liefern als eine Messung unter Luftstrom.
Für einen Vergleich muss feststehen, wann der Wert erhoben wurde: direkt nach dem Bereitschaftssignal, während des ersten Zugs, nach mehreren Zügen oder nach einer Pause. „Temperaturgenauigkeit“ ohne diesen Kontext ist unvollständig.
Die Zugmaschinenarbeit von Carrara legt solche Abläufe für die untersuchten Geräte fest. Das macht Ergebnisse nachvollziehbar, aber nicht automatisch universell. [Carrara2020]
Auflösung, Genauigkeit und Wiederholbarkeit
Ein Display mit Ein-Grad-Schritten besitzt eine bestimmte Einstellauflösung. Es beweist keine Messgenauigkeit von plus/minus einem Grad im Pflanzenmaterial. Diese Eigenschaften werden in Produkttexten häufig vermischt.
Genauigkeit betrifft die Nähe zu einem geeigneten Referenzwert. Wiederholbarkeit beschreibt, wie ähnlich Ergebnisse bei wiederholtem Vorgehen unter gleichen Bedingungen ausfallen. Ein Gerät kann wiederholt einen ähnlichen Verlauf liefern und dabei von einem anderen Messort systematisch abweichen.
Für belastbare Genauigkeitsangaben braucht es kalibrierte Referenzmessungen, definierte Messorte und eine Unsicherheitsbetrachtung. Die frühere pauschale Behauptung, die meisten Geräte wichen um einen festen Gradbereich ab und Premiumgeräte seien grundsätzlich genauer, wird auf Grundlage dieses Pools nicht aufrechterhalten.
Ebenso werden keine vermeintlichen eigenen Tests an hunderten Geräten behauptet. Produktdaten und unabhängige Messungen müssen als solche unterscheidbar bleiben. Eine fein aufgelöste Bedienoberfläche ist ein Merkmal, kein Ersatz für einen Prüfbericht.
Was Lanz und Carrara tatsächlich vergleichbar machen
Lanz untersucht Cannabinoide in definierten Proben- und Gerätefraktionen. Damit lässt sich fragen, wo die Stoffe unter dem jeweiligen Protokoll wiedergefunden wurden. Die Arbeit liefert kein universelles Temperaturmenü für alle Blüten und Gerätekategorien. [Lanz2016]
Carrara beschreibt ein standardisiertes Zugregime und den zeitlichen Verlauf der Abgabe bei zwei Geräten. Dabei ist die Einstellung Teil des Protokolls, nicht die alleinige Erklärung aller Unterschiede. Auch die Sammelmethode wird untersucht, weil sie das gemessene Ergebnis beeinflusst. [Carrara2020]
Ein Vergleich von Studien muss daher mehr prüfen als ihre angegebenen Celsiuswerte. Unterschiedliche Sammler, Beladungen, Luftvolumina und Zeitfenster können die Ergebnisse verändern. Selbst identische Geräteeinstellungen sind nur ein Baustein der Vergleichbarkeit.
Wie Temperaturtabellen sinnvoll gelesen werden
Eine seriöse Stofftabelle nennt Verbindung, Druck und Datenart. Ein direkt gemessener Wert ist anders einzuordnen als eine Extrapolation. Zersetzung und Messbedingungen müssen berücksichtigt werden. Fehlende Angaben sollten als fehlend sichtbar bleiben.
Eine Gerätetabelle nennt dagegen Modell, Version und Regelbereich. Wenn eine Materialtemperatur gemessen wurde, gehören Sensorposition und Versuchsablauf dazu. Herstellerbereich und unabhängig gemessener Bereich sind getrennte Informationen.
Eine Wirkungstabelle wäre noch einmal etwas anderes. Sie bräuchte Daten zu verabreichter Dosis, Population und klinischem Endpunkt. Eine Cannabinoid-Siedepunkttabelle erfüllt diese Anforderungen nicht. Sie kann deshalb keine Behandlungsempfehlung für Schlaf, Schmerz oder andere Beschwerden begründen.
Terpene: Kein einzelner Schalter pro Aromastoff
Auch bei Terpenen sollte eine Temperaturzahl nicht als exklusiver Freisetzungspunkt gelesen werden. Ein Stoff kann über einen Bereich hinweg abgegeben werden; die Zusammensetzung verändert sich im Verlauf. Für ein reales Pflanzenmaterial zählt die Kombination aus Stoffeigenschaften und Transportbedingungen.
Ein Aroma lässt sich zudem nicht unmittelbar in eine klinische Wirkung übersetzen. Die bloße Anwesenheit einer Verbindung im Aerosol belegt weder ihre wirksame Konzentration am Zielort noch eine therapeutische Wechselwirkung mit THC.
Der Artikel Dampfqualität erläutert, was Chromatogramme und Rezeptorbindungstests tatsächlich zeigen. Eine wissenschaftliche Temperaturerklärung sollte keine personenbezogene Wirkungsanimation oder erfundene Terpenkurve verwenden.
Materialvorbereitung gehört ins Protokoll
Mahlgrad, Partikelverteilung, Füllmasse und Feuchtigkeit beeinflussen den Aufbau der Probe. Sie sollten deshalb dokumentiert werden, wenn zwei Geräteeinstellungen verglichen werden. Aus dem Pool lässt sich kein universelles Feuchtigkeitsoptimum für sämtliche Modelle ableiten.
Relative Luftfeuchtigkeit eines Lagerbehälters und Wassergehalt einer Blüte sind außerdem verschiedene Größen. Eine Prozentangabe zur Lagerumgebung darf nicht als direkt gemessener Materialwassergehalt ausgegeben werden. Solche Verwechslungen machen scheinbar exakte Empfehlungen unzuverlässig.
Die Geräteanleitung legt fest, welche Vorbereitung vorgesehen ist. Für einen eigenen technischen Vergleich sollten möglichst wenige Faktoren gleichzeitig verändert werden. Das Ergebnis bleibt eine Beobachtung des gewählten Aufbaus, solange keine analytische Abgabemessung vorliegt.
Warum Temperatur-Stepping kein reiner Temperaturtest ist
Wird dieselbe Füllung nacheinander bei steigenden Einstellungen genutzt, verändert sich nicht nur die Temperatur. Auch Zeit, bisherige Extraktion und Ausgangszusammensetzung des verbleibenden Materials ändern sich. Ein späterer Zug findet daher nicht an derselben unveränderten Probe statt.
Das kann als dokumentierter Nutzungsablauf sinnvoll sein, isoliert aber keinen reinen Temperatureffekt. Für einen kontrollierten Vergleich verschiedener Einstellungen wären vergleichbare frische Beladungen und eine geeignete Reihenfolge nötig. Die zeitliche Abgabe müsste ebenfalls berücksichtigt werden.
Ein Stepping-Protokoll darf deshalb nicht als zuverlässige Methode zum gezielten Auswählen einzelner Wirkstoffe oder klinischer Effekte dargestellt werden. Es beschreibt einen Ablauf, keine universelle Dosissteuerung.
Restmaterial und sichtbare Zeichen
Die Farbe bereits erhitzter Blüten kann den Prozess grob sichtbar machen. Sie ist jedoch keine kalibrierte Bestimmung der Restmenge an THC oder CBD. Unterschiedliche Ausgangsfarben, Beleuchtung und ungleichmäßige Erwärmung erschweren die Interpretation zusätzlich.
Auch nachlassende Wolken sind kein analytischer Nullnachweis. Die Frage, wie viel eines bestimmten Stoffs noch vorhanden ist, muss durch geeignete Analyse beantwortet werden. Eine Farbe-zu-Milligramm-Tabelle würde ohne Validierung Genauigkeit vortäuschen.
Offensichtliche Anzeichen einer Fehlfunktion oder Verkohlung sind ein Grund, den Aufbau gemäß Anleitung zu prüfen. Sie definieren aber nicht rückwirkend einen universellen sicheren Bereich für alle vorherigen Einstellungen.
Was ein Temperatur-Messprotokoll enthalten sollte
Ein nachvollziehbarer Bericht beginnt mit dem Messziel. Soll die interne Regelung geprüft werden, die Temperatur der eintretenden Luft oder die räumliche Temperaturverteilung im Material? Erst danach wird ein geeigneter Sensor ausgewählt und platziert. Ein beliebiger Messpunkt beantwortet nicht jede dieser Fragen.
Die Sensorbeschreibung sollte Bauart, Abmessungen, Kalibrierung und zeitliche Auflösung nennen. Ein Sensor benötigt selbst Zeit zum Erwärmen. Bei schnellen Verläufen kann er deshalb Änderungen verzögert wiedergeben. Seine Position kann zudem den lokalen Luftstrom oder den Kontakt im Material beeinflussen.
Die Randbedingungen umfassen Umgebung, Ausgangszustand, Beladung und Luftstrom. Bei einer warmen Wiederholung muss der Zustand vor dem Start beschrieben werden. Andernfalls kann ein Unterschied zwischen zwei Kurven lediglich aus unterschiedlicher Restwärme stammen.
Die Auswertung sollte nicht nur einen Spitzenwert zeigen. Für viele Fragestellungen sind Verlauf, räumliche Unterschiede und Wiederholbarkeit wichtig. Ein kurzer Peak, ein länger anhaltendes Niveau und ein Mittelwert über einen gesamten Zug sind verschiedene Beschreibungen.
Schließlich gehört eine Unsicherheitsangabe dazu. Sie kann aus Sensorfehler, Platzierung, Wiederholungen und Probenstreuung entstehen. Mehr Nachkommastellen machen eine Messung nicht automatisch genauer. Ein Bericht, der die Zahl präziser druckt als sein Aufbau messen kann, erzeugt Scheingenauigkeit.
Warum eine schematische Kurve kein Messergebnis ist
Eine Zeichnung kann veranschaulichen, dass Sollwert, Luft und Material zeitlich unterschiedlich reagieren. Solange keine Daten hinterlegt sind, darf sie aber keine scheinbar empirischen Gradwerte, Zeitkonstanten oder Fehlerbalken tragen. Sie müsste ausdrücklich als Schema bezeichnet werden.
Auch ein mathematisches Modell ist von einer Messkurve zu unterscheiden. Ein Modell kann einen beobachteten Verlauf zusammenfassen und Zusammenhänge prüfen. Seine Parameter sind an Annahmen und Daten angepasst; sie sind nicht automatisch neue unabhängige Messungen.
Für die hier geplante wissenschaftliche Kommunikation werden deshalb keine Temperaturkurven aus einem anschaulichen Bauchgefühl gezeichnet. Wo quantitative Abbildungen verwendet werden, müssen Originaldaten, Achsen, Einheiten und zugrunde liegende Bedingungen nachprüfbar sein. Die Messort-Tabelle dieses Artikels kommt bewusst ohne erfundene Kurvendaten aus.
Ergänzung aus dem Terpen-Audit
Die vorstehenden Geräte- und Methodenquellen wurden bei der Zusammenführung der aktuellen Artikelfassung erhalten. Die folgenden Abschnitte ergänzen den gesonderten Terpen-Audit mit gezielter Quellenprüfung. Beide Literaturauswahlen sind keine systematische Vollsuche.
Welche Terpendaten führt NIST?
Die folgenden Angaben wurden am 10. September 2026 im NIST Chemistry WebBook, SRD 69, abgeglichen. Die verlinkten Datensätze gehören zur jeweils genannten CAS-Identität. Sie sind Stoffdaten, keine klinischen Wirkungsstudien. Die Tabelle übernimmt Unsicherheiten nur dort, wo die Referenz sie ausweist.
| Stoff / CAS | Datenangabe | Druck und Prüfstatus |
|---|---|---|
| α-Pinen / 80-56-8 | 430 ± 4 K, entsprechend ungefähr 157 ± 4 °C | Normaler Siedepunkt; NIST-Mittelwert aus 14 Angaben. Kein eigener neuer Messwert. NIST |
| Myrcen / 123-35-3 | 440,2 K, entsprechend ungefähr 167,1 °C | Als Siedepunkt geführt; Kompilationsquelle Weast und Grasselli (1989), Methode und Unsicherheit dieses Eintrags nicht angegeben. NIST führt weitere abweichende Literaturwerte. NIST |
| Limonen / 138-86-3 | 451 ± 4 K, entsprechend ungefähr 178 ± 4 °C | Normaler Siedepunkt; Mittelwert aus 13 Angaben. Dieser Datensatz ist nicht automatisch der enantiomerspezifische D-Limonen-Datensatz. NIST |
| Linalool / 78-70-6 | 471,75 K, entsprechend 198,60 °C | Siedepunkteintrag nach Lecat (1930); von TRC zugeordnete Unsicherheit 0,5 K. NIST vermerkt, dass der Status als neue Messung unklar ist. NIST |
| β-Pinen / 127-91-3 | Hier kein Einzelwert freigegeben | Der geprüfte Datensatz enthält unter anderem Dampfdruckparameter. Ohne dokumentierte Auswertung wird daraus kein weiterer Siedepunkt berechnet. NIST |
| β-Caryophyllen / 87-44-5 | Hier kein Siedepunkt freigegeben | Der geprüfte Abschnitt führt Verdampfungsenthalpie, keine für diese Tabelle belegte Siedetemperatur. NIST |
Gerade die offenen Felder verhindern eine scheinbar vollständige, aber methodisch inkonsistente Tabelle. Verdampfungsenthalpie, Dampfdruckparameter und Siedepunkt sind unterschiedliche Größen. Aus einem Wert in kJ/mol darf keine Temperatur in °C werden. Ebenso wenig sollten widersprüchliche Caryophyllen-Zahlen durch Auswahl der vertrautesten Zahl „aufgelöst“ werden.
Isomere, Einheiten und Unsicherheiten
α-Pinen und β-Pinen sind unterschiedliche Verbindungen. Enantiomere müssen bei biologischen Aussagen ebenfalls eindeutig bezeichnet werden. Ein nicht stereospezifischer Stoffdatensatz darf nicht stillschweigend als Untersuchung eines bestimmten Enantiomers gelten. Für die Umrechnung gilt °C = K − 273,15; die Umrechnung erzeugt keine zusätzliche Messgenauigkeit. Eine von einer Datenbank zugeordnete Unsicherheit oder ein Mittelwert über Literaturangaben ist außerdem nicht automatisch ein Konfidenzintervall einer einzelnen neuen Messreihe. Die zugrunde liegenden historischen Originalarbeiten wurden hier nicht vollständig neu bewertet.
Warum trennt eine Temperaturwahl nicht einzelne Cannabinoide?
Die Kammer enthält keine Reihe sauber voneinander getrennter Reinstoffe. Bestandteile sitzen in einer Pflanzenmatrix, die sich während des Erwärmens verändert. Das Gemisch besitzt lokale Temperaturunterschiede, und bereits abgegebene Stoffe werden mit dem Luftstrom weitertransportiert. Eine Einstellung kann daher die Zusammensetzung beeinflussen, ohne ein einzelnes Molekül zuverlässig zu isolieren.
Für eine Behauptung wie „Bei dieser Temperatur kommt nur CBD“ wäre eine passende Analyse des Aerosols erforderlich. Selbst diese Analyse gälte zunächst für die untersuchten Bedingungen. Sie wäre noch keine verlässliche Aussage über individuelle Aufnahme oder Wirkung.
Aus demselben Grund enthalten die Terpenartikel keine Zuordnung von Temperatur zu Wachheit, Schlaf oder Angstlinderung. Eine Rezeptorhypothese liefert keinen Temperaturplan. Ein Stoff kann im Labor einen Signalweg beeinflussen, ohne dass die gewünschte klinische Wirkung bei der Nutzung einer Blüte nachgewiesen ist.
Warum die Temperaturversuche keine Sicherheitstabelle ergeben
Pomahacova verglich unter anderem 170, 200 und 230 °C am damaligen Volcano Digital. Die gemessenen Cannabinoidanteile und Ausbeuten beziehen sich auf dieses Sammelprotokoll. Die rechnerisch bestimmte übrige Kondensatmasse wurde nicht vollständig chemisch oder toxikologisch charakterisiert. Daraus lässt sich keine allgemeine sichere Temperaturgrenze ableiten. [Pomahacova2009]
Gibt es eine Grenze, unter der keine Schadstoffe entstehen?
Die Bibliothek definiert keine solche allgemeine Grenze. Eine Aussage wie „unter 230 Grad keine Pyrolyseprodukte“ würde eine umfassende Analyse für alle relevanten Materialien, Geräte und Zugbedingungen voraussetzen. Der frühe Laborvergleich von Gieringer und die Geräteprüfung von Lanz rechtfertigen diese Verallgemeinerung nicht. Lanz et al. (2016) Gieringer et al. (2004)
Für eine belastbare Emissionsbewertung müssen untersuchte Substanzen, Nachweisgrenzen und Bedingungen sichtbar sein. „Nicht gemessen“ und „nicht vorhanden“ sind verschiedene Aussagen. Temperaturbereiche sollten daher nicht ohne passenden Nachweis als gesundheitliche Sicherheitszonen beworben werden.
Häufige Fragen zu Siedepunkten
Verdampft THC erst ab 157 °C?
Nein. Die häufig zitierte Zahl ist kein allgemeiner Beginn der Abgabe. Druck, Zeit, Oberfläche, Luftstrom und Matrix bestimmen das tatsächliche Verhalten mit.
Muss ein Vaporizer den normalen THC-Siedepunkt erreichen?
Nein. Verdampfung kann unterhalb des Siedepunkts stattfinden. Der extrapolierte Normaldruckwert ist keine Betriebsempfehlung.
Sind NIST-Werte genauer als eine Temperaturtabelle im Shop?
NIST macht Herkunft, Einheiten und teilweise Unsicherheiten nachvollziehbar. Das erleichtert die Prüfung. Auch solche Daten müssen jedoch passend zu Stoffidentität, Druck und Fragestellung gelesen werden.
Ist niedrige Temperatur automatisch gesundheitlich sicher?
Nein. Die Einstellung allein beschreibt weder alle Emissionen noch die aufgenommene Menge oder eine individuelle gesundheitliche Wirkung.
Gibt es eine Temperatur für einen medizinischen Entourage-Effekt?
Aus den ausgewerteten Arbeiten lässt sich keine solche Temperatur ableiten. Medizinische Entscheidungen brauchen passende klinische Daten zum konkreten Präparat und zur Anwendung.
Quellenstand und Korrekturhinweis
Überarbeitet am 10. September 2026. Physikalische Referenzen: die einzeln verlinkten NIST-Datensätze. Eyal et al. ist eine ergänzende Quelle des bestehenden Temperaturartikels und gehört nicht zum 24-Publikationen-Register des gelieferten Terpenpakets. Der Gerätevergleich von Lanz ist im verlinkten Methodenabschnitt erläutert.
Entfernt wurden Wirkungsmenüs, ungesicherte pauschale Geräteabweichungen und die Verwechslung von Auflösung mit Genauigkeit. Die bisherigen Temperatur-Weiterleitungen bleiben Verweise auf diesen Artikel und werden nicht als zusätzliche wissenschaftliche Artikel gezählt.
Studien, Fundstellen und Aussagegrenzen
Die Studienkarten beschreiben den jeweiligen Versuchsaufbau und dessen Grenzen.
Lanz C et al. (2016)
- Untersuchung
- In-vitro-Geräte-/Aerosolvalidierung
- Stichprobe
- Keine Humanprobanden; 5 kommerzielle Vaporizer, THC- und CBD-dominantes Pflanzenmaterial.
- Vergleich und Messung
- GC/MS für Cannabinoid-Recovery, HPLC für saure Cannabinoide und Decarboxylierung; Volcano Medic, Plenty, Arizer Solo, DaVinci und gasbetriebenes Gerät.
- Randomisierung und Verblindung
- Nicht anwendbar.
- Ergebnis
- Elektrische temperaturkontrollierte Geräte decarboxylierten THC/CBD sehr effizient und lieferten reproduzierbar Cannabinoide; beim gasbetriebenen Gerät wurde Verbrennung beobachtet.
- Stärken
- Validierte analytische Methoden; mehrere Geräte; direkte Messung des Materialtransfers.
- Grenzen und mögliche Verzerrung
- Keine Menschen, keine klinischen Endpunkte, keine umfassende toxikologische Aerosolanalyse; Gerätegenerationen älter.
Lanz C, Mattsson J, Soydaner U, Brenneisen R. 2016. Medicinal Cannabis: In Vitro Validation of Vaporizers for the Smoke-Free Inhalation of Cannabis. PloS one. DOI: 10.1371/journal.pone.0147286 · PMID 26784441 · PMC4718604
Gieringer D, St. Laurent J, Goodrich S (2004)
- Untersuchung
- Analytische Laborstudie
- Stichprobe
- Keine Humanprobanden; Cannabisrauch/-dampf aus Gerätebedingungen.
- Vergleich und Messung
- Chemische Analyse von Vaporizer-Aerosol im Vergleich zu Rauch, Fokus auf THC-Übertragung und pyrolytische Nebenprodukte.
- Randomisierung und Verblindung
- Nicht anwendbar.
- Ergebnis
- Vaporisation lieferte THC bei deutlich unterdrückten Verbrennungs-/Pyrolyseprodukten gegenüber Rauch.
- Stärken
- Direkter chemischer Mechanismus für Harm Reduction.
- Grenzen und mögliche Verzerrung
- Alt; keine klinischen Outcomes; Journal/Methodik weniger stark als moderne toxikologische Studien; Produkt- und Geräteabhängigkeit.
Gieringer D, St. Laurent J, Goodrich S. 2004. Cannabis Vaporizer Combines Efficient Delivery of THC with Effective Suppression of Pyrolytic Compounds. Journal of Cannabis Therapeutics. DOI: 10.1300/J175v04n01_02
Gieringer2004: Analytischer Volcano-Laborvergleich mit verbrannten Cannabisproben; Untersuchung von Fest- und Gasphase.
Gieringer D, St. Laurent J, Goodrich S. Cannabis Vaporizer Combines Efficient Delivery of THC with Effective Suppression of Pyrolytic Compounds. Journal of Cannabis Therapeutics. 2004;4(1):7–27.
- Design und Material/Population
- Analytischer Volcano-Laborvergleich mit verbrannten Cannabisproben; Untersuchung von Fest- und Gasphase.
- Stichprobeneinheiten
- Im quantitativen Versuch drei Beladungen mit jeweils 200 mg NIDA-Cannabis. Keine Humanstudie und keine drei unabhängig repräsentativen Geräteserien.
- Messung
- Chromatographische Untersuchung gesammelter Fraktionen. Temperaturmessung und Sammlungsbedingungen gehören zum Ergebnis.
- Befund
- Unter den untersuchten Bedingungen wurden viele pyrolytische Bestandteile des Rauchs im Vaporisat nicht nachgewiesen. THC-Recovery und Anteil von Cannabinoiden in einer analysierten Fraktion haben unterschiedliche Nenner.
- Unsicherheit und Übertragbarkeit
- Nicht nachgewiesen bedeutet unter den Bedingungen der Analyse nicht nachgewiesen. Es bedeutet nicht, dass jedes mögliche Schadstoffmolekül ausgeschlossen wurde.
- Finanzierung und Interessen/Designhinweise
- Forschungsunterstützung und Organisationsbezüge sind auf der ersten Artikelseite offengelegt; Beteiligung von California NORML, MAPS und Chemic Labs berücksichtigen.
- Konkrete Fundstelle
- S. 7–8: Abstract und Förderung; Methods sowie Results, Tabellen zur THC-Recovery und zur chemischen Analyse; Diskussion der Temperaturmessung.
- Prüfumfang
- Relevante Volltextstellen am 10.09.2026 geprüft; keine Originalabbildung übernommen.
Lanz2016: In-vitro-Validierung von Volcano Medic, Plenty, Arizer Solo, DaVinci und Vape-or-Smoke mit THC- und CBD-haltigem Pflanzenmaterial sowie Standards.
Lanz C, Mattsson J, Soydaner U, Brenneisen R. Medicinal Cannabis: In Vitro Validation of Vaporizers for the Smoke-Free Inhalation of Cannabis. PLOS ONE. 2016;11:e0147286.
- Design und Material/Population
- In-vitro-Validierung von Volcano Medic, Plenty, Arizer Solo, DaVinci und Vape-or-Smoke mit THC- und CBD-haltigem Pflanzenmaterial sowie Standards.
- Stichprobeneinheiten
- Fünf Modelle, keine fünf klinischen Gruppen. Die Wiederholungen je Versuchsbedingung sind technische Replikate; unterschiedliche Probenarten und Messfraktionen dürfen nicht zusammengezählt werden.
- Messung
- HPLC/GC-MS; Untersuchung der Cannabinoid-Recovery, Rückstände und Decarboxylierung. Elektrische Geräte wurden unter festgelegten Temperaturbedingungen geprüft.
- Befund
- Die Wiederfindung von Cannabinoiden unterschied sich zwischen den konkreten Geräten. Beim untersuchten gasbetriebenen Vape-or-Smoke wurde Verbrennung beobachtet.
- Unsicherheit und Übertragbarkeit
- Recovery, Decarboxylierung und Verluste an Geräteflächen sind getrennte Messgrößen. Keine direkte Messung von Lungendeposition, Blutspiegeln oder langfristigen Erkrankungen.
- Finanzierung und Interessen/Designhinweise
- Keine spezifische Finanzierung; die Autoren erklären keine konkurrierenden Interessen und erläutern die nachträgliche Beschäftigung/Beteiligung eines Autors bei AiFame/AiLab.
- Konkrete Fundstelle
- Materials and Methods: Vaporization, Sample Preparation and Analysis; Results and Discussion: Recovery of Cannabinoids, Decarboxylation; Tabelle 2 und Abbildungslegenden.
- Prüfumfang
- Relevante Volltextstellen am 10.09.2026 geprüft.
Carrara2020: Laborstudie mit standardisierter Zugmaschine; DaVinci und Mighty Medic; Bediol-Blüten. Keine Teilnehmenden.
Carrara L, Giroud C, Concha-Lozano N. Development of a Vaping Machine for the Sampling of THC and CBD Aerosols Generated by Two Portable Dry Herb Cannabis Vaporisers. Medical Cannabis and Cannabinoids. 2020;3:84–93.
- Design und Material/Population
- Laborstudie mit standardisierter Zugmaschine; DaVinci und Mighty Medic; Bediol-Blüten. Keine Teilnehmenden.
- Stichprobeneinheiten
- Gerätemodelle, Beladungen und technische Wiederholungen auseinanderhalten. Tabelle 1 ordnet die einzelnen Versuchsreihen zu; sechs Versuche für den Sammler-Vergleich in Tabelle 2 sind keine sechs unabhängigen Gerätepopulationen.
- Messung
- 150 mg fein gemahlene Blüten, 210 °C Sollwert; fünfsekündige Züge in 30-Sekunden-Zyklen. Prüfung der Aerosolsammlung und zeitlichen Cannabinoidabgabe.
- Befund
- Die beiden Modelle zeigten unterschiedliche Abgabeverläufe. Ein Modellkoeffizient beschreibt die Extraktionskinetik; er ist weder Bioverfügbarkeit noch klinische Wirksamkeit.
- Unsicherheit und Übertragbarkeit
- Ein einzelner Koeffizient bildet nicht die gesamte Unsicherheit des Gerätes, Pflanzenmaterials und Zugverhaltens ab. Keine Rangfolge aller Heizklassen.
- Finanzierung und Interessen/Designhinweise
- Keine finanziellen oder konkurrierenden Interessen deklariert; Storz & Bickel stellte den Mighty Medic bereit.
- Konkrete Fundstelle
- S. 86–88: Materials and Methods, Tabellen 1–2; S. 89–91: Ergebnisse und Abgabemodell; S. 92: Danksagung/Disclosure.
- Prüfumfang
- Relevante Volltextstellen am 10.09.2026 geprüft.
Geprüfte Quelle · DOI: 10.1159/000505027
Pomahacova2009: Laborvergleich von Volcano-Digital-Vaporisat und Cannabis-Zigarettenrauch aus Bedrocan-Blütenspitzen; keine Humanstudie.
Pomahacova B, Van der Kooy F, Verpoorte R. Cannabis smoke condensate III: The cannabinoid content of vaporised Cannabis sativa. Inhalation Toxicology. 2009;21:1108–1112.
- Design und Material/Population
- Laborvergleich von Volcano-Digital-Vaporisat und Cannabis-Zigarettenrauch aus Bedrocan-Blütenspitzen; keine Humanstudie.
- Stichprobeneinheiten
- Technische Dreifachversuche. Zunächst etwa 500 mg Material bei 170, 200 und 230 °C; weitere Versuche mit fünf Temperatureinstellungen beziehungsweise 50–1000 mg Beladung.
- Messung
- Kondensate gravimetrisch und Cannabinoide mittels HPLC gemessen; ein etwa 8-L-Ballon pro Vaporisationsprobe. Rauchmaschine: 35-ml-Züge über 3 s alle 30 s. Nebenprodukte wurden als Differenz zwischen Gesamtmasse und gemessenen Cannabinoiden berechnet.
- Befund
- Die Cannabinoidanteile und absoluten Ausbeuten veränderten sich mit Temperatur und Beladung. Höherer Cannabinoidanteil und größere abgegebene Cannabinoidmasse sind unterschiedliche Ergebnisse.
- Unsicherheit und Übertragbarkeit
- Nebenprodukte wurden ausdrücklich nicht einzeln identifiziert oder toxikologisch klassifiziert. Die Differenzmasse ist daher kein Messwert für die Gesamtgiftigkeit. Die Studie belegt keine sichere oder klinisch optimale Alltagstemperatur.
- Finanzierung und Interessen/Designhinweise
- Autoren erklären keine Interessenkonflikte. Pflanzenmaterial über das Office of Medicinal Cannabis/Bedrocan, Gerät von Storz & Bickel; keine gesonderte Finanzierungsquelle im eingesehenen Text genannt.
- Konkrete Fundstelle
- S. 1109–1110: Material, Protokolle, Abbildung 2 und Tabelle 1; S. 1111–1112: Interpretation und Interessenerklärung. Scan mit handschriftlichen Markierungen: diese sind keine Autorenaussagen.
- Prüfumfang
- Volltext einschließlich Methoden, Tabelle 1, Abbildungslegenden und Interessenerklärung am 10.09.2026 geprüft.
Quellenprüfung: 10. September 2026. Im gezielten Pool aus zwölf Primärarbeiten wurden elf anhand relevanter Volltextstellen geprüft. Bei Van Dam 2010 wurden zusätzlich zum Abstract zugängliche Originalabschnitte nachgeprüft; eine vollständige PDF- und Tabellenprüfung bleibt offen. Weitere im Artikel genannte Literatur gehört zu gesonderten Quellenprüfungen. Keine systematische Vollsuche.